Ein Kaffeehaus, in dem die Uhr nicht eilt. Eigenröstung aus dem Keller seit 1923, Mehlspeisen aus der hauseigenen Patisserie, Marmortische seit drei Generationen.
Hausrezept · 1908
Das Rezept hat Anton Lumière 1908 von einem ehemaligen Patissier des Hotel Sacher übernommen — gegen eine Tasse Kaffee und das Versprechen, es nie zu verkaufen. Wir halten uns daran. Es wird nur im Haus zubereitet, nur am Tisch serviert.
Drei Schichten dunkler Sachermasse, Marillenmarmelade aus der Wachau, handgegossene Schokoladenglasur. Schlagobers extra oder Crème fraîche — über die Frage wurde in diesem Haus schon mehr gestritten als über Politik.
Sechs Sorten Arabica, langsam getrommelt im Keller, gemahlen für den Moment.
Doppelter Espresso in der kleinen Tasse. Die Antwort auf jede Frage am Vormittag.
Doppelter Mokka im Glas, Schlagobershaube, Puderzucker. So serviert seit 1909.
Espresso und heiße Milch zu gleichen Teilen. Mit Schaumhaube nach Wahl.
Großer Schwarzer mit einem Schuss Rum, Schlagobers, Cocktailkirsche. Wärmt von innen.
Türkisch gebrüht im Kupferkännchen über Sand. Wir warten gerne, bis er fertig ist.
Apfelstrudel, Buchteln, Topfengolatsche, Linzeraugen — jeden Morgen vor fünf von Helena und der Patisserie-Crew ofenfrisch hergestellt. Kein Tiefkühlgang, kein Zwischenhändler. Wer um sechs schon einen Kaffee will, riecht sie schon im Stiegenhaus.
Die Marillen für die Buchteln kommen aus der Wachau, die Mohnfülle aus Galizien (oder zumindest aus einer kleinen Mühle in Galizien-Tradition unten in der Steiermark). Was am Abend übrig bleibt, geht ins Frauenhaus drei Häuser weiter.
Tagesfrisch · ab 08:00
1908 öffnete Anton Lumière, gebürtig aus Brünn, sein Kaffeehaus in der Wollzeile. Drei Marmortische, vierzehn Stühle, ein Klavier, das Mozart und Joplin gleich gut konnte. Die Eröffnung fiel auf den Tag der ersten Lumière-Vorführung in Wien — ein Zufall, sagt die Familie. Eine Hommage, sagen die Stammgäste seit Generationen.
Zwei Weltkriege später stand das Haus noch immer. Die Fenster waren ausgetauscht, das Klavier neu gestimmt, der Marmor blieb. Helena Lumière, Enkelin des Gründers, übernahm 1994. Ihr Sohn Felix röstet heute den Kaffee unten im Keller — in derselben Trommel, die Anton 1923 aus Triest brachte.
Der Strudelteig wird noch immer mit der Hand ausgezogen, bis man eine Wiener Zeitung dadurch lesen kann. Die Kuchen werden morgens um halb fünf in der Backstube neben der Küche frisch gebacken — keine Tiefkühlware, kein Zwischenhändler. Was am Abend übrig bleibt, geht in das Frauenhaus eine Straße weiter.
Im Klaviersalon links hinten hängt das Originalfoto der Eröffnung. Anton steht links, sein Bruder Joseph rechts, dazwischen ein Stammgast, dessen Namen niemand mehr kennt. „Wer am längsten bleibt, kommt aufs Bild", war Antons Spruch. Wir halten es heute noch so.
„Ein gutes Kaffeehaus ist ein Ort, wo man allein sein darf, ohne einsam zu sein." — Helena Lumière, 2024
Reservierung bis zwei Stunden im Voraus. Für Gruppen ab acht Personen schreiben Sie uns bitte direkt — wir richten ein Séparée im Klaviersalon her.
Klavier · Marlene Eberhardt · 17:00 — 18:30 · Eintritt frei
Theodor Wiesinger liest aus „Malina" · 19:30 · Reservierung empfohlen
Verkostung von vier Espressi · 19:00 · 28 € · 12 Plätze
Helena zeigt, wie man Strudelteig zieht · 14:00 — 17:00 · 48 € inkl. Jause
Klaviertrio mit Bass · 20:00 · Eintritt frei · Tisch reservieren
Drei Gehminuten vom Stephansdom. U-Bahn Stephansplatz (U1, U3), zwei Minuten Fußweg. Tische ohne Reservierung gibt es meistens auch — spätestens nach dem zweiten Espresso findet sich immer einer.